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  • Von: Ingo Sobik
  • NextGen Business Intelligence Infrastruktur & Middleware Java Business Solutions Development Datenbank
  • 24.05.2018

"Wenn du für junge Leute kein Netzwerk erschaffen kannst, gib ihnen die Möglichkeit, ihr eigenes aufzubauen"

Dass die IT-Industrie einem Alterungsprozess unterliegt, lässt sich nicht vollständig von der Hand weisen. Nicht nur Unternehmen ringen im Wettbewerb um neue Talente. User Groups sind ebenso von dieser Entwicklung betroffen. Um junge Leute anzusprechen, werden dringend neue Ideen benötigt. Ingo Sobik, Leiter der DOAG Next Generation Community, gibt Einblicke in den Entstehungsprozess einer neuen Community, die sich um die Bedürfnisse der jungen Leute kümmert.

Dieser Artikel erschien zuerst im zweimonatlich erscheinenden ORAWORLD e-magazine, einer Publikation der EOUC mit spannenden Geschichten aus der Oracle-Welt, technologischen Hintergrundartikeln und Einblicken in andere User Groups weltweit.

 

Ich habe in Karlsruhe studiert, einer Stadt mit etwa 310.000 Einwohnern, von denen 43.000 Studenten sind [1]. Der Studiengang Informatik ist dort sehr beliebt und wird sogar immer beliebter. Im Jahr 2016 waren 3.623 Studenten am Karlsruher Institut für Technologie für Informatik eingeschrieben. Diese Zahl hat sich seit 1998 mehr als verdoppelt. Damals waren lediglich 1.492 Studenten eingeschrieben [2, 3]. Das ist vielleicht auch der Grund, warum eine IT-Jobmesse gefühlt zweimal pro Woche stattfindet. Junge Talente werden dringend gesucht.

Ich bin einer dieser Studenten und ein Millennial, das heißt, ich gehöre der Generation an, deren Zugehörige in etwa zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Neben der Tatsache, dass es sich toll anfühlt so umworben zu werden, kann es sehr schwierig sein, für sich selbst den richtigen Weg zu finden. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, Teil der DOAG Next Generation Community zu werden. Wir nennen uns einfach #NextGen. Wir sind eine Gruppe junger Leute mit dem Ziel, die DOAG attraktiver für andere junge Leute der Millennial-Generation zu machen und uns gegenseitig bei unseren ersten Schritten in der Geschäftswelt zu helfen.

Die Idee hinter #NextGen 

User Groups werden älter und die DOAG ist da keine Ausnahme. Das liegt nicht nur daran, dass wir unser 30. Jubiläum als Anwendergruppe feiern. Das durchschnittliche Mitgliedsalter steigt ebenfalls. Das gab uns zu denken. Die DOAG schaffte es nicht, die jungen Leute zu erreichen, obwohl viele Vorteile für Studenten und Auszubildende angeboten werden, wie zum Beispiel freier Eintritt zu unseren Veranstaltungen und kostenlose Mitgliedschaft in unserer Anwendergruppe.

Die Gründe sind vermutlich wesentlich vielschichtiger. Aber nach unserer Ansicht gab es eine entscheidende Hürde: Die DOAG erfüllte die Erwartungen der jungen Generation nicht. Sie kannte sie schlicht nicht. Anders ausgedrückt: Es ist sehr schwierig, ein Netzwerk aus 25-jährigen Studenten, Auszubildenden und jungen Berufstätigen zu formen, wenn die Mehrheit der Organisation aus einer ganz anderen Generation kommt. Glücklicherweise gibt es bei der DOAG auch ziemlich viele Leute, die um einiges jünger sind. Aber bis vor kurzem gab es für sie keinen Raum zur Entfaltung. Aus diesem Grund hat der DOAG-Vorstand 2016 entschieden, der Überalterung der Mitglieder entgegenzuwirken und gründete die #NextGen Community. Die Idee ist einfach: Wenn du für junge Leute kein Netzwerk erschaffen kannst, gib ihnen die Möglichkeit, ihr eigenes aufzubauen.

Die Ziele der #NextGen

Alle Mitglieder der #NextGen sind mehr oder weniger neu im Geschäft. Was jedoch wichtiger ist: Wir haben das gleiche Alter wie die Leute, die wir ansprechen wollen. Unser Ziel ist der Aufbau einer Austauschplattform, auf der sich junge Leute vernetzen, über Erfolge und Misserfolge reden, Ratschläge einholen, Mentoring finden und die aktuellen IT-Trends diskutieren. Alle diese Punkte sind im Grunde genommen ganz allgemeine Hauptmerkmale einer User Group. Erschaffen wir also eine User Group innerhalb einer User Group? Irgendwie schon, aber nicht wirklich. Die Denkweise unserer Generation ist grundlegend anders als die derzeit vorherrschende Denkweise bei der DOAG. Und wir sind uns sicher, dass die Anpassung der Denkweise ausschlaggebend für das Weiterbestehen und das Wachstum der DOAG ist.

Es ist nichts Neues, dass jede neue in den Arbeitsmarkt einsteigende Generation zwar unbelastet ist, aber stark beeinflusst von der Umgebung, in der sie aufwuchs. Als Millennials sind wir die erste Generation, die mit dem Internet aufwuchs. Das Internet hat die Art, wie wir Informationen teilen, revolutioniert. Im Vergleich zu den Anfängen der DOAG haben sich viele Dinge geändert und wir haben es daher gerade mit einem großen Generationsunterschied zu tun. Wir planen, diesen Unterschied so zu nutzen, dass beide Seiten voneinander profitieren können. Dafür müssen wir zunächst eine solide Basis an jungen, motivierten Leuten aufbauen, bevor wir sie in unsere bestehende Anwendergruppe integrieren.

Hauptaugenmerk auf das Netzwerk

Die Millennials sind sehr auf spezifische Technologien fokussiert. Beinahe täglich erscheint ein neues Framework oder Tool, das die Art, wie Software erstellt wird, revolutionieren soll. Aber unterm Strich sollte uns klar sein, dass es nicht Tools sind, die gute Software erstellen, sondern Menschen. Und dass Erfahrung üblicherweise Tools schlägt. Deshalb liegt unser Augenmerk nicht auf spezifischen Inhalten oder Technologien, sondern auf der Stärke eines bestehenden Netzwerks bei der DOAG und darüber hinaus. Als Beispiel sei die POUG (Polen) genannt. Wir haben mit einer Gruppe von 20 jungen Studenten und Auszubildenden ihre Konferenz im September 2017 besucht.

Außerdem haben wir unser NextGen-Programm ausgebaut, mit dem Studenten und Auszubildende alle DOAG-Veranstaltungen kostenlos besuchen können. Sie bekommen also viele Möglichkeiten, Gleichgesinnte und potentielle Arbeitgeber zu treffen. Wir ermutigen auch Unternehmen, ihre jungen Arbeitnehmer an der #NextGen Community teilhaben zu lassen. Zusätzlich kooperieren wir auch eng mit Universitäten und Berufsschulen, indem wir Gastvorlesungen und Veranstaltungen bei ihnen anbieten.

Daneben bieten wir Leuten die Möglichkeit, in Aktion zu treten und sich zu entwickeln mit unserem "Newcomer Program". Mit diesem Programm helfen wir unerfahrenen Rednern mit ihrer ersten Präsentation auf einer unserer Konferenzen mit einem Mentoring durch einen erfahrenen Redner.

Gründung einer neuen Marke

Nach unserer Ansicht wäre all dies mit der bestehenden DOAG-Marke nicht möglich gewesen. Wir mussten unsere eigene grüne Wiese erschaffen, um Platz für neue Richtungen zu haben. Daher haben wir entschieden, unsere eigene Marke zu gründen, die für alle unsere Aktivitäten und in den sozialen Medien verwendet wird. Eine eigenständige Marke, aber mit Bezug zur DOAG. So haben wir einen unabhängigen Fixpunkt für alle unsere Aktivitäten. Auch wenn wir noch ganz am Anfang stehen, freuen wir uns darauf, uns stetig weiterzuentwickeln. Natürlich gibt es noch viele Dinge zu lernen und es wird auch Misserfolge geben. Aber letztendlich wollen wir ein offenes Netzwerk werden und ein Fixpunkt, der eine Orientierungshilfe für junge Leute in der schnelllebigen IT-Welt bietet.

 

Weiterführende Links:

 

Quellen:

  1. https://www.karlsruhe.de/b2/wissenschaft_bildung/studenten_wissen.de
  2. https://www.kit.edu/downloads/Statistik_WS2016.pdf
  3. https://www.kit.edu/downloads/Statistik_WS98.pdf