Zum Inhalt springen

Auf dem Weg von 12.1 Non-CDBs zu 18c Multitenant

Robert Ortel, DBA beim Finanzdienstleister Hypoport, steckt gerade mittendrin in den Plänen zur Migration nach 18c Multitenant. Im Interview spricht er schon jetzt über die Herausforderungen und Gründe hinter der Unternehmung. Als Referent der DOAG 2018 Konferenz + Ausstellung geht er in seinem Vortrag noch weiter in die Tiefe. Und auch jenseits der Oracle-Datenbank bricht er gerne zu Abenteuern auf – zuletzt war er am nördlichsten Punkt Islands. 

Herr Ortel, was hat zu Ihrer Entscheidung geführt, von 12.1 Non-CDBs zu 18c Multitenant zu wechseln?

18c ist für uns zunächst einmal nur das Release der Wahl, weil der Zeitpunkt gut passt. Das hat weniger mit neuen Features oder der autonomen Datenbank zu tun, sondern eher damit, dass ich mir später weitere Migrationen sparen kann.

Die Schlüsselrolle nimmt eher Multitenant ein. Wir haben uns vorgenommen, unsere gesamte Server-Infrastruktur rund um den Datenbankbetrieb zu vereinfachen und vor allem auch zu verkleinern. Momentan haben wir 18 Datenbank-Server im Einsatz – davon wollen wir weg. Außerdem haben wir auch vergleichsweise viele ungenutzte Lizenzen, weil die CPU-Last in den letzten Jahren abgenommen hat. Deswegen können wir mit einem Wechsel auf Multitenant zu sehr viel weniger Servern migrieren, die dann etwas größer sind. Wir werden am Ende nur noch vier Server haben, mit denen wir die bisherigen 18 komplett ablösen.

Damit geht auch eine Lizenzoptimierung einher. Multitenant haben wir natürlich gekauft, gleichzeitig können wir aber andere Lizenzen kündigen. Das führt tatsächlich dazu, dass wir langfristig weniger Lizenzzahlungen haben.

Mit wie vielen Kollegen arbeiten Sie an der Umsetzung der Migration?

Der Oracle-Admin, das bin ich ganz alleine. Ich habe noch einen Kollegen, der mich vertreten kann, wenn ich nicht da bin. Aber er kümmert sich dann wirklich nur darum, den Betrieb sicherzustellen. In unserem Team „Operations“ sind wir insgesamt acht Kollegen und kümmern uns um Virtualisierung, Storage, Netzwerk, Hardware, Oracle-Datenbanken, auch ein paar Microsoft-SQL-Datenbanken und um die ganze Linux-Administration.

Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie beim Umzug auf 18c?

Eigentlich hoffe ich, dass sich die Herausforderungen eher in Grenzen halten, denn 18c ist ja quasi 12.2.0.2, also schon das erste Patch Set. Dann ist 18c in der Cloud auch schon um ein oder zwei Bundle Patches gereift, sodass die groben Fehler und Bugs jetzt hoffentlich schon ausgemerzt sind. Bleibt also „nur“ übrig, was man sowieso immer hat, wenn man auf eine neue Version migriert: Die ganzen Automatismen rund um Installationen müssen angepasst werden und das Upgrade gilt es zu üben und durchzuführen. Es wird bestimmt auch das eine oder andere Mal SQLs geben, die sich plötzlich anders verhalten und vielleicht schlechter als vorher performen, aber da erwarte ich jetzt eigentlich nicht allzu viele, völlig neue Überraschungen. Zuletzt gilt es noch, die neuen Automatismen rund um die autonome Datenbank zunächst in Grenzen zu halten und nach und nach zu bewerten.

Und auf der anderen Seite, was versprechen Sie sich vom Wechsel?

Da spielt das Multitenant-Feature eine große Rolle. Wir wollen ja die Infrastruktur entschlacken und erhalten dadurch dann mehr Platz im Rack, weniger Stromverbrauch und weniger Admin-Aufwand, weil wir uns um weniger Systeme kümmern müssen. Zudem gibt es bei Multitenant auch noch das ein oder andere Feature, welches für die Entwickler interessant sein kann. Aktuell werden auch viele Datenbanken mit der Standard Edition 2 betrieben. Nach dem Wechsel können dann alle die Enterprise Edition mit Partitioning und Multitenant verwenden.

Vor welchen Herausforderungen sehen Sie sich generell beim Wechsel von Non-CDBs zu Multitenant?

Zum einen verlängert die zusätzliche Migration nach Multitenant die Downtime, die ohnehin für das Upgrade gebraucht wird. Zum anderen gibt’s noch einen weiteren Aspekt, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, welchen Weg ich gehen möchte. Auf einem DB Host werde ich definitiv mehrere DB-Homes für mindestens 2 CDBs installieren. Doch ob dann immer beide online sind und sich die PDBs aufteilen oder nur eine online ist, welche alle PDBs beherbergt, ist noch nicht entschieden. Sollte eine CDB mal den Geist aufgeben, dann hätte ich in jedem Fall die andere zur Hand und kann die ganzen PDBs dahin migrieren, ohne erst eine neue Instanz erstellen zu müssen. In dem Punkt bin ich mir noch nicht so sicher, das muss dann die Praxis zeigen.

Der Wechsel in die Cloud war für Ihr Unternehmen keine Option?

Tatsächlich nicht. Erstens arbeiten wir im Finanzumfeld und sind auch Subcontractor von Banken – da ist die Sache mit der Einwilligung schwierig. Außerdem stehen wir unabhängig vom Datenbankumfeld grundsätzlich fremdverwalteten Systemen skeptisch gegenüber. Wir sind uns alle sehr einig, dass wir das lieber selbst machen wollen.