Doch kein MySQL-Aus: Oracle kündigt neue Strategie für 2026 an

  • Erstellt von DOAG Online
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Nach größerem Personalabbau und monatelangem Entwicklungsstopp kündigt Oracle einen Neuanfang bei MySQL an – inklusive Enterprise-Features für die Community.

Im September 2025 hatte das Unternehmen rund 70 Entwicklerinnen und Entwickler des MySQL-Kernteams entlassen und damit erhebliche Kritik hervorgerufen. Dadurch sank die Zahl der aktiven Entwickler von einem Höchststand von 198 im Jahr 2006 auf nur noch etwa 75 im Jahr 2025. Das dieses Jahr seit 30 Jahren existierende MySQL hatte Oracle 2009 von Sun Microsystems übernommen. Oracle schien seine Entwicklungsressourcen zunehmend auf die proprietäre Cloud-Datenbank HeatWave zu konzentrieren. Die Proteste der Community aufgrund des drohenden Verschwindens von MySQL zeigten jetzt Erfolg.

Oracles Reaktion

Eine geplante neue Ausrichtung umfasst drei Kernpunkte, mit denen Oracle das Community-Vertrauen zurückerobern möchte: 

  • Integration von entwicklerfreundlichen Features in die MySQL Community Edition
  • Erweiterung des Ökosystems mit Tools, Frameworks und Schnittstellen
  • Mehr Transparenz durch Veröffentlichung der Entwicklungs-Roadmap und erleichterte Community-Beiträge über Worklogs und Bug-Reports.

Von den angekündigten Features sollen einige von der kommerziellen in die freie Edition übernommen werden und bereits im April 2026 verfügbar sein. Ein öffentliches Webinar zur Roadmap wurde angekündigt, ein konkreter Termin steht aber noch nicht fest.

In einem aktuellen Blogbeitrag fasst Oracle seine kommenden Schritte für alle interessierten Nutzer zusammen.

 

Update

Knapp 200 Entwickler, Anwender und Unternehmen aus dem MySQL-Ökosystem haben Oracle zudem in einem offenen Brief aufgefordert, die künftige Governance der Open-Source-Datenbank zu überdenken. Das Schreiben wurde nach zwei MySQL Community Summits in San Francisco und Brüssel im Januar und Februar 2026 veröffentlicht. Federführend war das auf MySQL-Services spezialisierte Unternehmen Percona, dessen Co-Founder Vadim Tkachenko für die Initiatoren spricht.

Beklagt wird darin die fehlende Transparenz bei Sicherheitsbugfixes. Anwender könnten nicht überprüfen, ob bekannte Schwachstellen ihre Installationen betreffen. Zudem sei unklar, wie Oracle künftig Ressourcen für MySQL bereitstellen wolle, nachdem wichtige Entwickler das Unternehmen verlassen haben, da Oracle Entwicklungsressourcen zunehmend in die proprietäre Cloud-Datenbank HeatWave verlagert habe.

Der offene Brief ist auch Ausdruck eines größeren Problems: MySQL verliert seit Jahren an Popularität gegenüber PostgreSQL, das zur Standardwahl für neue Projekte geworden ist. PostgreSQL verfügt über eine unabhängige, dezentrale Governance durch die PostgreSQL Global Development Group – genau das, was sich die MySQL-Community von Oracle erhofft. Die Unterzeichner schlugen Oracle drei unterschiedliche Governance-Modelle vor.

Bis Ende März 2026 soll eine Entscheidung über ein Governance-Modell fallen, im zweiten Quartal die rechtliche Struktur geschaffen und im dritten Quartal eine Foundation gelauncht werden.

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